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Rückblick 2009

09.12.2009    HAIANGRIFF!

Der Atlantik, unendliche Weiten…

Logbucheintrag des Bahianus 4899, Tauchplatz: Der Schlund, Puerto Morro, Mala. Wir schreiben den 9. Dezember 2009. Maximale Tauchtiefe 34 Meter, Tauchzeit: 44 Minuten. Tauchpartner: Anton.

Heute waren wir ziemlich spät unterwegs. Kurz vor dem Abtauchen zum zweiten Tauchgang stand die rote Nachmittagssonne schon tief über den Vulkanbergen. Der spiegelglatte Atlantik leuchtete orangerot wie Lava. Unterwasser war es derzeit schon etwas dunkel, Aquamarin war von einem Dunkelblau abgelöst worden. Wir tauchten aus der Bucht heraus in Richtung der weißen Sanddüne, die wie eine Skipiste in die Abyssalen hinabreicht. Nach nur 12 Minuten entdeckte ich unter uns den ersten Engelhai, ein großes Exemplar mit einer Länge von ca. 160 Zentimetern. Nicht weit davon entfernt lag ein zweiter, kleinerer Hai und dann kam uns auch noch ein Peitschenschwanzrochen entgegen. Stellt Euch bitte dieses Bild vor: zwei Haie und der Riesenrochen, unglaublich! Da es unser zweiter Tauchgang war, schwebten wir ca. sechs Meter über dem Grund auf 22 Metern Tiefe. Plötzlich löste sich der große Hai in einer Sandwolke vom Meeresboden und schwamm im Zickzack auf uns zu. Er umkreiste uns zweimal und fing dann an nach mir zu schnappen. Ich schloss meine Flossen über seinem Maul, so dass die Angriffsfläche zu groß zum beißen war. So schnell wie der Angriff von statten ging, so schnell war er auch schon vorüber. Der Sandhai ließ von uns ab und legte sich zwischen uns und seine (offensichtliche) Partnerin. Wir verlegten unsere Taktik auf einen strategischen Rückzug und entfernten uns rückwärts schwimmend aus dem Balzgebiet. Noch zweimal setzte uns der Hai nach, bis er sich seiner Überlegenheit (…und seiner Ruhe mit der Liebsten) sicher war.Was für ein Erlebnis. Nun ja, man kann unseren Hai ja verstehen, würden wir nicht auch Blasen spuckende Gummimänner aus dem Schlafzimmer jagen?!

24.11.2009    BAHIANUS ENTDECKT EINEN HERINGSKÖNIG!
 
Und wieder gibt es bei uns eine neue Fischsichtung:
 
Michaels Logbucheintrag 4880, 24. November 2009, 12:42 Uhr; max. Tiefe 32 m, Tauchzeit 38 Min., Tauchpartner: Martina und Constantin.

Auf diesem Tauchgang entdeckten wir auf dem Rückweg vom Blue-Hole (Puerto del Carmen, Mole) in einer Tiefe von nur 13 Metern einen Heringskönig (Zeus faber). Der Heringskönig gehört zu der Familie der Petersfische (…der Legende nach hat der heilige Petrus den Fisch mit zwei Fingern gefangen, daher auch die zwei dunklen `Fingerabdrücke´ auf der Körpermitte des Fisches).

Der Heringskönig ist in der Lage, blitzartig seine Farbe zu verlieren und zu verblassen, was ihn dann wiederum fast unsichtbar macht. Außerdem wirkte unser Exemplar ausgesprochen "scheu"!

 
Wir halten Euch über weitere Sichtungen auf dem Laufenden!

M&M&m

heringskoenig.jpg

 

25.09.2009    BAHIANUS MIX!
 

Hallo liebe Freunde! Wir haben wieder gearbeitet! Ab Oktober 2009 bieten wir interessierten Tauchern das sicherste Gasgemisch für alle Sporttauchtiefen an: den „Bahianus-Mix“: 28% Sauerstoff + 71% Stickstoff. Mit Nitrox 28 könnt Ihr nicht nur sicherer bis auf Tiefen von 40 Metern abtauchen, da sich die Gefahr einer Stickstoffnarkose stark verringert sondern auch länger Euren Aufenthalt unter Wasser genießen, da sich Eure Grundzeit erheblich erhöht.

Der Partialdruck des „Bahianus-Mix“ erreicht bei 40 Metern den von Barakuda International Aquanautic Club empfohlenen maximalen Partialdruck von 1,4 bar O2, die Gefahr einer Sauerstoffvergiftung ist also innerhalb der Sporttauchgrenzen nicht gegeben.

Solltet Ihr noch nicht im Besitz eines Nitrox Brevet sein, dann wendet Euch doch einfach an Eure Profis vom Bahianus Club Lanzarote.

 

Bis bald, Eure 3 M´s!

05.08.2009    UNSER NEUER PRAKTIKANT IST DA!

Seit heute ist es soweit: Ronny, der bei uns vor einigen Jahren auf Teneriffa seine Tauchausbildung gemacht hat und uns seitdem auch schon des Öfteren hier auf Lanzarote als Freund und Tauchgast besucht hat, wird nun für einige Wochen als Praktikant „Basisluft“ schnuppern! Mal sehen, ob er sich gänzlich vom Tauchvirus anstecken lässt!

ronny_team_bahianus1.jpg

15.07.2009    DAS BAHIANUS TEAM BEGRÜSST SEINEN NEUEN TAUCHLEHRER!

Ab sofort verstärkt Thomas, Barakuda TL*, unser Team! Herzlich willkommen! Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit! M&M&m!

thomas_team_bahianus1.jpg

 02.06.2009    VERÄNDERUNGEN IM BAHIANUS TEAM!

Seit heute gehört Mariannicht mehr unserem Team an. Wir bedanken uns für seine Mitarbeit, wünschen Ihm alles Gute für seine Zukunft und hoffen, dass er das findet, was er sich wünscht! Das Bahianus Team!

marian_team_bahianus.jpg

23.04.2009    SONDERANGEBOTE IN SCHLECHTEN ZEITEN!

Liebe Tauchgäste, liebe Freunde!  In schweren Zeiten muss man halt einmal ein bisschen enger zusammenrücken. Wir haben eine Rezession, deren erster Schlag nun zuerst einmal die Großverdiener traf. Allerdings wird die Hauptlast der Krise von den einfachen Leuten getragen werden.  Der Bahianus sagt: Wir Taucher halten zusammen!  Außerhalb der Hauptsaison gilt bei uns ab sofort ein Rabatt für Schüler, Studenten und Arbeitslose (NEU!). Wir können Euch natürlich nicht bei der Gestaltung der Flugpreise helfen, aber ab jetzt können Arbeitslose unter diskreter Vorlage ihrer Arbeitslosenunterstützung mit einem Sonderrabatt von bis zu 15% rechnen. Für Schüler und Studenten gilt natürlich das Gleiche.  Wir hoffen damit allen Tauchwilligen die Möglichkeit einzuräumen, mit uns in den subtropischen Tiefen des Atlantiks um Lanzarote, die Probleme des Alltags zu vergessen.  Für genauere Infos, schreibt uns eine kurze Mail und wir antworten Euch schnellst möglich. Euer Bahianus First Aid Club.

12.03.2009    LIEBE FREUNDE DES MEERES!

Der Bahianus hat wieder zugeschlagen und präsentiert Euch nun stolz zwei neue Tauchreviere. Fern ab vom Massentourismus hat unser Bahianus-Team einen mittelschweren Einstieg über Lavafelsen erkundet und betaucht (…näheres zeigen wir Euch dann vor Ort). Das Resultat war erstaunlich: Die Finger einer ganzen Lava-Hand beginnen bei einer eingestürzten Grotte und erstrecken sich bis auf Tiefen von über 50 Metern und mehr. Das letzte Mal sahen wir nicht weniger als 6 Stechrochen, etliche Sternschnecken und jede Menge Schwarmfisch. Ebenfalls fernab von Puerto del Carmen fanden wir einen zweiten, neuen Tauchplatz. Landschaftlich nicht so spektakulär, aber Fisch ohne Ende. Das besondere an dem Platz ist der einfache Einstieg und gute Möglichkeiten, sich gemütlich umziehen zu können und in Ruhe während der Oberflächenpause in der Sonne am Meer chillen zu können. Na, habt Ihr Appetit bekommen?! Keine Sorge, der Bahianus schläft nicht, drum werden wir Euch demnächst mit neuen Tauchplätzen verwöhnen können. Bis bald, Euer Bahianus Exploration Team!

01.01.2009    DER BAHIANUS ERWACHT!

Nach 32 Jahren verwandelt sich der Barakuda Club Lanzarote in den Bahianus Club Lanzarote!

Die Chroniken des Bahianus


Prolog

Palmyra, syrische Wüste im Jahre des Herrn 1889, Frühjahr

Die unbarmherzige Sonne brannte von ihrem Zenit hinab und vermischte den Staub der Wüste mit dem Schweiß der Gräber. Seit dem Morgengrauen arbeiteten die Männer der kaiserlichen archäologischen Akademie Berlin um den Eingang des Wüstentempels freizuschaufeln. Drei Handbreit des Eingangs waren bereits freigelegt als ein Erdrutsch schließlich ein Rechteck aus Kalkstein freilegte.
Sofort drangen drei der Forscher mit entzündeten Armalitlaternen in den Tempel ein, vorsichtig um nicht Opfer von Fallen zu werden, die vor Jahrtausenden von den Erbauern des Tempels zum Schutz gegen Räuber ersonnen worden waren.
Staub rieselte aus den Fugen der Decke des Tempelgewölbes und tanzte in den Lichtstrahlen der Laternen. Spinnenweben hingen wie fadenscheinige Leichentücher herab. Das Licht der Laternen glitt über grob behauende Steinquader und mit jedem Schritt ächzte der Fels über den Köpfen der Forscher. Im Zwielicht wurden in den Stein gemeißelte Reliefs sichtbar. Die antiken Künstler zeigten ein im Meer versinkendes Inselreich. Menschenähnliche Figuren flüchteten in Booten der nahenden Katastrophe. Unterhalb der Insel war ein seltsames Symbol in den Fels getrieben worden.
Schon nach wenigen Schritten stießen die Forscher auf einen riesigen Steinquader. Auf diesem Altarstein hatten sich in den tausenden von Jahren unzählige Schichten feinen Staubes abgelagert. Im Zentrum der Oberfläche gab es eine leichte Erhöhung. In akribischer Arbeit begannen die Forscher, mit feinen Pinseln vorsichtig den Staub von der Erhöhung zu entfernen. Langsam wurde die erste Lage eines Stapels antiker Schriftplatten erkennbar. Es war das erste Mal seit Jahrtausenden, dass ein menschliches Auge diese uralten Aufzeichnungen erblickte. Seltsame Hieroglyphen kamen zum Vorschein: Altägyptisch, Sumerisch, Aramäisch oder gar Atlantisch?! Und dann dieses seltsame Symbol in der Mitte der Oberen Platte fast, wie ein kleines b mit Füssen, nein mit Flossen. Aus dem Hals, nein dem Schnorchel des kleinen b´s perlten Blasen und das b selbst war mit einem magentafarbenen Lack ausgelegt, der in den unendlichen Zeiten unter der Wüste noch immer so frisch schimmerte, als wäre er erst gestern aufgetragen worden. Das Symbol auf der Schriftplatte war das Selbe wie auf dem Wandrelief. Den Wissenschaftlern liefen Schauer über die Körper. Nun konnte das Geheimnis des ewigen Tauchers gelüftet werden. Sie hatten sie endlich gefunden:

Die uralten Chroniken des Bahianus!

Der Bahianus

Atlantis, Atlantischer Subkontinent 34°32´Nördliche Breite, 36°54´Westliche Länge ca. 12.000 B.C.

Das gefiel dem Bahianus: Schöne Insel macht sich gut als Riff, lustige Tempelchen in denen sich Fische tummeln könnten, bunte Paläste an denen Schwämme und Korallenstöcke haften könnten, herrliche, gewagt geschwungene Brückenbögen optimal zum drunter durch tauchen. Zierliche Minarette schmiegten sich an Filigrane Türme, echte paradiesische Verstecke für Kopffüßler. Echt Klasse! Aber die Insel lag halt noch über Wasser und war über und über mit Nichtschwimmern besiedelt.
Das muss geändert werden, wusste der Bahianus. Und zwar flott! Man kann ja nicht noch 14.000 Jahre bis zur nächsten Klimakatastrophe warten, bis dieses schöne Inselchen zum Riff würde. Nein. Atlantis musste sinken!
Also tauchte der Bahianus mal ein bisschen tiefer, hinab zum Atlantischen Rücken und somit zum Fundament des Inselreiches. In den schwarzen Tiefen des Atlantiks konnte man nicht einmal die Flosse vor den Augen sehen. So kann man ja nicht arbeiten, dachte der Bahianus und rief nach seinen Tiefseefreunden, den Anglerfischen. Als sich etliche dieser scheuen, seltenen Fische unterhalb von Atlantis versammelt hatten und ihre Kopfstiellampen genügend Licht gaben, fand der Bahianus sofort die Lösung seines Problems. Die Fundamente von Atlantis ruhten nämlich auf einer achthundert Meter dicken Scholle Methaneises.
Und Eis kann geschmolzen werden. Waren nicht wenige hundert Meilen südlich schwarze Raucher auf dem Meeresgrund?! Mit Hilfe seines alten Freundes, Architheutis dem Riesenkalamar, tauchte der Bahainus hinunter in die tiefste Senke des Atlantischen Ozean. Der Umgebungsdruck von über einhundert Atmosphären lastete auf den beiden Tauchern. Schließlich wurde das Wasser wärmer. Die schwarzen Raucher ragten wie riesige Schlote aus dem Meeresgrund. Eifrig begannen der Bahianus und der Architheutis Geröllbrocken einzusammeln. Mit jenen Brocken verstopften sie die schwarzen Raucher. Rauchen sei ja eh ungesund. Nun stieg der Erdendruck so stark, das hunderte von Meilen nördlich unterhalb von Atlantis der Meeresboden barst und sich siedend heiße Lavaströme in das Methaneis fraßen. Das Eis schmolz im Nu. Die Gesteinsmassen des Inselreiches drückten auf das kaum noch vorhandene Eis und Atlantis versank langsam in den Fluten.
Nun war der Bahianus glücklich. Er hatte sich ein neues Tauchparadies geschaffen. Federleicht durch die Fluten gleitend bewunderte der Bahianus sein künstliches Riff und war zufrieden.

Die Rache des Bahianus

Bucht von Neapolis, Imperium Romanum, im zweiten Jahr der Herrschaft Vespasians , Sommer

Anmaßung! Frechheit sondergleich. Was erlaubten sich diese dreisten Nichtschwimmer eigentlich noch alles?
Der Bahianus saß mit seinem alten Freund dem roten Kraken auf ein Planktonbierchen in dessen Höhle unterhalb Capris. Von der Wasseroberfläche fielen orangefarbend die gebrochen Strahlen der untergehenden Abendsonne auf die Gorgonienwälder vor der Höhle.
Es hätte ein schöner Abend sein können, doch gerade hatte der Bahianus vor Wut ein Drittel seines Planktonbiers vergossen. Hatte ihm sein Freund doch gerade berichtet, der Kaiser der Trockenfüßler hätte an der Küste Neapolis´ einen Lusttempel eingeweiht: Baianea. Und die Dreistlinge von Neapolitanern nannten sich nun auch noch Baianus (lat. Bewohner der Bucht). Der Bahianus fühlte sich, als würde er auf einem Zitterrochen sitzen. Das schrie nach Bestrafung. Dem Bahianus seinen Namen streitig zu machen und ihn dann auch noch falsch zu schreiben, das war zuviel.
Der Tempel musste sinken.
Nach etlichen Algenbieren ließ die Morgendämmerung die Wasseroberfläche rot aufleuchten, als wäre sie aus flüssiger Lava. Der Bahianus und der Kraken hatten einen Plan geschmiedet!
Man tauchte in Richtung Süden wo der konische Vulkankegel des Vesuvius die Oberfläche des Mittelmeeres durchbrach. Am Fuße des Vulkans hatten sich unzählige Borstenwürmer angesiedelt, angezogen von den wärmeren Gewässern rund um den heißen Berg. Die Würmer waren einfach davon zu überzeugen, sich einige Meter in den Fels zu bohren, um kleine Tunnel in diesem zu hinterlassen. Die Temperatur in diesen mit Wasser gefüllte Tunneln war um etliche Grade wärmer.
Der Bahianus suchte in der Umgebung des Vesuvius den Meeresgrund nach Schwämmen ab. Die eingesammelten Schwämme gab er dem roten Kraken, der diese dann mit seinen langen Tentakeln tief in die Tunnel stopfte.
Auf Grund der Wärme in dem Vulkangestein, dehnten sich die Schwämme schnell aus und erste Risse erschienen in der erstarrten Lava. Blitzartig riss das Gestein auf und die Nordseite des Vesuvs sackte ein wenig tiefer ins Meer. Wie beim Dominoeffekt, schob nun erkaltete Lava Gesteinsmassen über den Meeresgrund. Vor Neapolis schoben sich die Massen unter die massive Steilküste, auf deren Klippe der Lusttempel stand. Mit einem gewaltigen Krachen gab die Klippe dem brutalen Druck des gemarterten Gesteins nach und stürzte in die darunterliegenden Fluten.
Als sich am Abend das aufgewirbelte Sediment wieder gelegt hatte, tauchte der Bahianus in die versunkene Tempelgrotte. Er bewunderte die kunstvollen Fresken und die Mosaikböden, die herrlichen Säulen, die das Deckengewölbe stützten und entdeckte eine Stelle des Tempels in der sich eine Luftblase gebildet hatte. Der Bahianus tauchte in der Luftblase auf und befand sich in einem geräumigen Gewölbe. Von der Decke hingen Baldachine, kostbare, dicke Teppiche bedeckten die Böden und auf diesen lagen unzählige Kissen in denen sich ein Dutzend atemberaubender, graziler, vestalischer Tempeltänzerinnen rekelten…
An dieser Stelle lassen wir den Bahianus wohl wissentlich allein.
Der Krieg des Bahianus

Bucht von Calais, Normandie, Frankreich im Jahre 1923, Herbst

Das Wasser dröhnte und der Meeresboden erzitterte. Ein gewaltiger Schatten, mächtiger als eine Herde Blauwale, ließ das Licht schwinden, die gesamte Fauna nahm Reißaus. Vier stählerne Ungetüme am Rumpf des Schattens zerfetzten das Wasser und alle Lebewesen, die sich in deren Weg befanden. Noch Meilen entfernt wurden die empfindlichen Hörsinne einer Delfinschule auf dem Weg zum Polarkreis gemartert.
Die Titanic pflügte sich durch den Nordatlantik.

Nördliches Eismeer, 62°22´ Nördliche Breite, 40°44´ Westliche Länge, 1923 Herbst

In allen Nuancen spiegelte sich das blaue Leuchten in Abermillionen von Eiskristallen wieder. Wie blaue Glassplitter schossen Forellenschwärme unter dem Eis her. Seelöwen rutschten von den Eisschollen und klatschen, lachend in das klirrend kalte Wasser des arktischen Eismeeres. Die schwarzen Schwerter einer Herde Orkas zerschnitten lethargisch die Wasseroberfläche.
Der Bahianus schwebte gerade unter einer Eisscholle hindurch. Ruhe. Harmonie. So hatte man sich den Winterurlaub vorgestellt. Die Meere um die beiden Polkappen der Erde waren zwei der wenigen verbliebenen nichtschwimmerfreien Zonen. Hier konnte noch man noch fernab von Zivilisationsmüll, industrieller Wasserverschmutzung und dem ewigen Lärm den deren Maschinen verursachten, tauchen. Ungestört.
Was war das für ein Geschnatter? Können diese verspielten Delfine nicht einmal ihr Gezirpe sein lassen? Hallo!?
Und aus war es mit der Ruhe. Von Süd-Osten aus kommend schoss eine Delfinschule aufgeregt vor sich hin schnatternd durch das Eismeer. Der Bahianus konnte einige sinngemäße Wortfetzen aus dem Geschnatter herausfiltern. Killerschiff auf dem Weg in den Norden! Stahlmonster der Nichtschwimmer mit Kurs Arktis! Panik es kommt die Titanic!
Der Bahianus verdrehte die Augen gen Oberfläche und stieß genervt eine Runde Blasen aus seinem Schnorchel. So weit zum gerecht verdienten Urlaub.
Der Bahianus bildete umgehend einen Krisenstab, die Kampfgruppe Nord wurde ins Leben gerufen und Freiwillige wurden den Gefechtsgruppen zugeteilt.
Unter den großen Strategen des Krisenstabs breitete sich Krisenstimmung aus. Noch nie war man von solch einem Leviathan von einem Schiff bedroht worden. Taktiken wurden ersonnen und gleich wieder verworfen. Es verzweifelte Pläne geschmiedet und diskutiert und doch kam man zu keiner Lösung.
Spät über der arktischen Nacht tanzten grellgrüne Polarlichter über den sternenklaren Himmel. Der Bahianus genüsslich an seiner Seegraspfeife rauchend, schaute sich das Schauspiel in Gedanken verloren an. Eine Rauchwolke stieg aus seiner Pfeife auf und stieg Richtung Sternenhimmel. Die größer werdende Wolke schien von den Polarlichtern in Richtung offenes Meer getrieben zu werden. Das war die Lösung!
Am nächsten Morgen legten die Delfine die Navigationsprognosen des Stahlkolosses vor. Die Blauwale führten Härtetests an den Schollen der in Frage kommenden Objekte durch. Aufklärungsschwärme von Forellen durchzogen das Nordmeer und Pottwale nahmen Sonarpeilung mit dem Feind auf. Arbeitsgruppen von Narwalen schlugen Ihre gedrehten Hörner ins Eis und bewegten gigantische Eisberge ins Operationsgebiet.
Am Spätnachmittag hatte man akustische Peilung und am Abend wurde der Lärm der feindlichen Motoren unaushaltbar. Verschiedene Meeressäugerverbände gaben ihre Stellungen auf und suchten ihr Heil in der Flucht. Fischschulen gerieten in Panik und folgten deren Beispiel. Zum Schluss blieben dem Bahianus nur noch seine treuen Narwale. Als die Titanic schließlich in Sicht kam musste der Bahianus feststellen, das Ihr Kurs einige Grade von den Prognosen abwich. Jetzt musste man sich aber kräftig in die Flossen stemmen um den gigantischen Eisberg in das Fahrwasser des Killerschiffs zu manövrieren. Entfernung fünfhundert, vierhundert, dreihundert, dreihundertfünfzig und abkoppeln! Die Narwale drehten ihre Spiralhörner blitzschnell aus dem eisenharten Eis und schwammen mit dem Bahianus aus der Gefahrenzone. Ein ohrenbetäubendes Knirschen ließ des Bahianus Trommelfelle vibrieren, als der Eisberg den Bug des Monsterschiffs aufschlitzte.
Stunden lang zog sich das Sinken der Titanic in die Länge. Dann endlich war es soweit und der Trümmerhaufen von Schiff verschwand endlich unter der Wasseroberfläche.
Und das Orchester spielt immer weiter, solange der Bahianus der Kapellmeister bleibt!

Das Schicksal des Bahianus

Makaronesischer Archipel, Lanzarote-Los Lobos, Dezember 2006- 2008

Auf der kleinen Insel Los Lobos genau in der Meeresenge zwischen Fuerteventura und Lanzarote gelegten, lebten einst viele Robben. Zwei dieser Exemplare jedoch unterschieden sich deutlich von ihren liebenswerten Artgenossen. Sie waren falsch und verlogen und von bösen Gedanken vergiftet. So kam es zu einem Exodus der Robbenpopulation von Los Lobos, den keine Robbe wollte mit diesen schlechten Robben etwas zu tun haben. Die beiden letzten Bewohner von Los Lobos konnten äußerlich kaum unterschiedlicher sein. Das Männchen war ausgesprochen fett, mit tranigen schwarzen Barthaaren, ein böser, alter Bulle. Das Weibchen war zwar nicht annähernd so fett, dafür aber triefend hässlich, als wenn Ihre Falschheit sich in ihrem Gesicht zeigen wollte. So lebten die beiden auf Lobos und warteten auf ein Opfer an dem sie Böses verrichten konnten.

Für unseren Bahianus war es an der Zeit sesshaft zu werden. Auf seinen Tauchzügen durch die Weltmeere, hatte er schließlich seine Bahiana gefunden und der Ehe entsprang ein kleiner Bahiani.
Nach etlichen Tauchjahren auf der Kanareninsel Teneriffa brauchte der Bahianus für sich und seine Familie ein Tauchgebiet mit anspruchsvollen Tauchtiefen, gesunden Fischbeständen und phänomenalen Unterwasserlandschaften. Die Wahl fiel auf die kleinere Nachbarinsel Lanzarote. Dort nämlich hatten die Nichtschwimmer noch nicht so viel Unfug angestellt wie mit dem Rest der Welt und es gab eine große Artenvielfalt an freundlichen Meeresbewohnern zu bewundern.
Dort eröffnete dann die Familie des Bahianus eine Tauchschule um einige Nichtschwimmer zu Badegästen auszubilden. Das Geschäft lief gut, der Familie ging es noch besser und alle wären miteinander glücklich geworden – hätte das Schicksal dem Bahianus nicht so arg zugesetzt.

An einem schönen sonnigen Tage, der Nord-Ost-Passat sorgte für eine angenehme Abkühlung, tauchte der Bahianus in Richtung der Insel Los Lobos. Der Wuchs der Fauna rund um die kleine Insel war beeindruckend. Seespinnen krabbelten über den Lavastein, Seepferdchens klammerten sich mit ihren Schwänzen am Seegras fest und Barrakudaschulen kreuzten wie Zerstörer durch das flache Wasser.
Zeit seines Lebens war der Bahianus von der Agilität, der Schnelligkeit und der tödlichen Effizienz dieser perfekten Jäger fasziniert. Wie gerne würde er einmal so schnell tauchen können wie ein Barakuda.
In seinen Beobachtungen vertieft, bemerkte der Bahianus nicht, das ihn eine fette Robbe an der Oberfläche schwimmend beobachtete. Als es Zeit für eine kleine Tauchpause wurde, kletterte der Bahianus auf eine Lavazunge der Insel Los Lobos und trocknete sich in der Sonne. Er gab sich seinen Tagträumen hin und bemerkte die Annäherung der beiden bösen Robben erst sehr spät. Wenn dieser Taucher nur wüsste, wie schön es wäre einmal wie ein Barakuda durch das Wasser gleiten zu können, sagte eine Robbe zur anderen.
Der Bahianus war sofort hellwach, drehte sich um und sah sich die Ankömmlinge an: Der fette Bulle mit seinen ungepflegten schwarzen, schmierigen Barthaaren war schon eklig, aber das Weibchen konnte in Ihrer Hässlichkeit wirklich Ihresgleichen suchen. Eine Zumutung!
Nichts desto Trotz war des Bahianus Neugier geweckt! So fragte er, seinen Ekel verbergend, wie es denn möglich sei, sich in einen Barakuda verwandeln zu können. Zu seinem Erstaunen gaben die beiden Robben sofort ihr Geheimnis preis. Es gäbe einen alten Guanchenzauber der ein Lebewesen in den Körper eines toten Barrakudas schlüpfen lassen könne und ihn mit neuem Leben erfüllen könne.
Misstrauisch aber interessiert hörte der Bahianus von den beiden Robben von der Prozedur der Verwandlung. Das Beste daran sei, dass man die Verwandlung jeder Zeit wieder rückgängig machen könne. Ob der Bahianus Interesse an einem Versuch habe? Nun rang der Bahianus mit sich. Für ihn würde ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Schließlich stimmte er den beiden Robben zu, auf das die Bösen kaum Ihre Genugtuung verbergen konnten.
Vor zwei Tagen konnten die zwei Robben drei Barakudas fangen, ein kleines Exemplar, einen jungen ausgewachsenen Fisch und einen uralten Barakuda mit kreuz und quer über seine schwarzen Streifen verlaufenen, weißen Kampfesnarben. Um das archaische Guanchenritual vollziehen zu können, bedurfte es eines Fisches in seinen besten Jahren, einer getrockneten Algen- und Seegrasmischung, eines Feuers und - eines Opfers!
Kurz bevor die Sonne im Westen hinter der Insel Lanzarote im Ozean versank und Los Lobos in die Dunkelheit der Nacht versinken ließ, entzündete die hässliche Robbe ein Feuer und gemahnte den Bahianus, sich mit gekreuzten Flossen ins Lee der Feuerstelle zu setzen. Aus ihrem Sack ergoss sich im Nu die getrocknete Flora in das Feuer und bekann rauchend zu verpuffen. Bald war der Bahianus in wohlriechende Dämpfe eingehüllt, ihn einlullend, in Träume entführend…

Der Bahianus erwachte mit einem stummen Schrei, der ihm Schnorchel stecken blieb. Seine Vision zeigte ihm, er wäre wieder unter Wasser, allerdings blickte er aus fast blinden Augen in die verschwommene Umgebung. Auch bewegen konnte er sich kaum. Jede Bewegung die er erzeugte ging schief. Wollte er zu einem kräftigen Flossenschlag ansetzen, so erzeugte er einen schwachen, horizontalen Wedler. Überhaupt floss sein Willen, sich zu bewegen, nicht in zwei flossenbewährte Beine, sondern in einen Schwanz! Nicht auf und ab, nein, links und rechts. Das war nicht wirklich gut.
Langsam verflog der Nebel in des Bahianus Hirn, aber seine exzellente Sehfähigkeit, kehrte nicht zurück. Auch seine abendliche Euphorie, sich in einen Barakuda verwandeln zu lassen, wich einer ernüchternden Frustration.
Nichts funktioniert so richtig, also spielen wir doch mal eine heftige Stickstoffnarkose durch.

1. Brücke an Hirn: Checkliste
  • Brustflossen heben, abtauchen
  • Brustflossen senken, steigen
  • Schwanzflosse horizontal bewegen und Vortrieb herstellen
  • Seitenlinienorgane aktivieren (Wow! Optik!)
  • Luftvorrat beständig
  • Schwimmblase geringfügig manipulierbar


  • Na geht doch, wenn auch äußerst träge. Das soll ein Top-Jäger in seinen besten Jahren sein…

    2. Hirn an Antrieb: Vollgas
  • Brust-, Rücken-, Afterflosse einfahren
  • hundert Prozent Schub auf der Schwanzflosse

  • Kraftvoll, ja, aber ohne Stamina. Das Tempo hält man nicht länger durch, als für eine kurze Strecke notwendig. Und danach dann dieses ziehen in der Muskulatur.
    Dieses verflucht Robbenpack. Er steckte nicht im Körper eines jungen Barakudas, nein, er wurde in den des Alten gesteckt, - warum -, wieso hatte er diesen Wesen vertraut? Der Bahianus schalt sich für seine Dummheit und seinen Leichtsinn. Warum taten diese abartigen Robben das?
    Diese Frage beantwortete sich schneller als gewünscht, als hinter einer Riffkante steuerbords des Bahianus, zwei Schatten durch das Wasser glitten: Ein Fetter und ein Hässlicher! Die Jagdsaison war eröffnet.
    Nerven behalten. Die nach wie vor hervorragend funktionierenden Seitenlinienorgane des alten Barakudas verrieten dem Bahianus die exakte Position des Feindes, sowie deren ungefähren Kurs und Abstand. Erste Priorität: Raus aus dem freien Wasser, rein in den scheinbaren Schutz des Riffs. Klasse, mit den alten Augen… . Und wieder Vollgas im Blindflug.
    Verschwommene Riffformationen glitten am trüben Gesichtsfeld des Bahianus vorbei. Eine natürliche Orientierung war nicht möglich. Da es über dem Meer um Los Lobos immer noch stockfinsterste Nacht war, hatten die Robben den Nachteil, denn obwohl der Barakuda schlecht sehen konnte, waren die Seitenlinienorgane für nächtliche Navigation wie geschaffen.
    Trotzdem merkte der Bahianus, wie schnell die Reserven des alten Fisches fast aufgebraucht waren. Dringend bedurfte es einer Lösung.
    Hatte er nicht auf dem Hinweg, kurz vor dem Erreichen der ersten Lavazungen Los Lobos´, diese riesige, alte Fischreuse nahe einer Riffkante übertaucht? Hatte er nicht im Augenwinkel den kleinen Riss in der Nordseite der Reuse bemerkt? Auf zur Reuse!
    Die Seitenlinienorgane verrieten dem Bahianus einen groben Verlauf des Riffes. Unter der Riffkante viel die Lavawand senkrecht in die Abyssalen.
    Hinter der alten Barakudahülle schlossen die bösen Roben blitzartig auf. Ein Biss der fetten Robbe landete fast einen Treffer. Die hässliche Robe versuchte, den im Barakuda verwachsenen Bahianus in der Flanke zu treffen.
    Mit schwindender Kraft, behielt der Bahianus seine Geschwindigkeit aufrecht, bis plötzlich ein surrealer Schatten vor ihm auftauchte. Die alte Reuse!
    Die Schlankheit des alten Fisches nutzend, tauchte der Bahianus in die Reusenfalle. Die Robben jubelten lautlos, hatten sie nun endlich Ihr Opfer in der Falle. Sofort stopfte sich die hässliche Robbe durch die enge Öffnung der Reuse, die dicke Robbe folgte… und blieb stecken. Der Bahianus schoss in Richtung des Risses in der alten Reuse und mit einem letzten, kraftlosen Flossenschlag trieb der alte Fischkörper aus der Reusenfalle heraus.
    Wie wüteten waren nun die Robben ob des ihnen entgangenen Fraßes. Auch konnten Sie die Reuse nicht verlassen, steckte doch der Fettsack im Eingang. Um sich zu befreien, schlug der Dicke mit seinem Schwanz auf und ab und schob das Drahtgestell immer näher an die Riffkante. An der Riffkante rasierte das Reusengebilde Gelbfingerschwämme von dem Fels. Stechmuscheln wurden geplättet. Unaufhaltsam näherte sich die Reuse dem Abgrund. Während die hässliche Robbe hysterisch zu kreischen versuchte, wurde der Dicke immer wilder. Die Reuse schob sich unaufhaltsam über die Kante, kippte…-…und sackte in die Tiefe. Bei fünf Atmosphären Umgebungsdruck implodierten die Alveolen der Robben, bei zwölf Atmosphären hatte das Übel sein Ende.

    Mit dem Tod der hässlichen Robbe fiel auch der Guanchenzauber. Stück für Stück lösten sich Fischreste des alten Barakuda vom Leib des Bahianus. Und sehen konnte er auch wieder: Um das Riff scharten sich Oktopoden, Sepien, Barakudas, Bernsteinmakrelen und Zackenbarsche um die Vernichtung der Robben zu feiern. Fahnenbarsche kamen stiegen aus den Tiefen und tanzten, Sternschnecken schlugen Purzelbäume und die Seegurken trugen den angeschlagenen Bahianus auf einen Thron aus Basaltfelsen. Selten gesehene Kalmare brachten Riesenmuscheln voll mit Planktonbier und Algenwein aus Ihren tiefen Kellereien. Das Meer um die Inseln war vom Bösen befreit.

    Und die Moral von der Geschichte:

    Ärgere den Bahianus nicht.

    Bahianus rules!

    Gewidmet:
    Meiner Familie
    Meinen Freunden (Sandro wird in der Literatur gewisse Ähnlichkeiten erkennen, hi, hi!)
    und allen die sich die Mühe machten, den ganzen Kram zu lesen

    Ähnlichkeit mit real existierenden Personen ist voll beabsichtigt und völlig O.K.
    Der Autor behält sich die Rechte des Manuskripts vor, Vervielfältigung ist erwünscht.
    Danke für´s lesen…

    Von Michael Siegfried Grohn Dezember 2008
     
    water.jpg
    Engelhai_Blue Hole_Puerto del Carmen
    Muraene und Zackenbarsch_Alter Hafen_Puerto del Carmen
    Bernsteinmakrelen_Mala_Lanzarote
    Drueckerfisch_Seta_Puerto del Carmen
    Oranger Seestern_Kathedrale_Puerto del Carmen
    Tauchen in Puerto del Carmen
     
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